Dienstag, 28. September 2010

Letzten Samstag


Ich war entsetzt: Als ich letzten Samstag in meinen Kühlschrank schaute, bemerkte ich eine gähnende Leere. Ich habe es nicht gerne, wenn mein Kühlschrank leer ist, so ging ich ohne Zögern in den nächsten Supermarkt. Ich hätte vielleicht ahnen sollen, dass es an einem verregneten Samstagmorgen nicht allzu viele freie Parkplätze gibt, doch man kann eben nicht immer an alles denken. Ausserdem habe ich mich eher auf die zu einkaufenden Lebensmittel, als auf die bevorstehende Parkplatz-Suche konzentriert.

Doch, ich hatte Glück. Ich beobachtete gerade eine fünffache Mutter, die versuchte ihre Kinder und ihren Einkauf in den Griff zu bekommen. Bis es endlich so weit war und die Frau ihr Auto aus dem Parkfeld fuhr, ging es dann noch mindestens zehn Minuten. In dem Moment sah ich einen kleinen Smart. Ich blinkte und wollte damit verdeutlichen, dass dies nun mein Parkplatz war. Doch der Smart kam immer näher und am Blick des kleinen dicken Mannes hinter dem Steuer sah ich, dass auch er es auf diesen Parkplatz abgesehen hatte.
„Ich gebe nicht auf.“ dachte ich und steckte die Schnauze meines Kombis in das Parkfeld. Doch der Mann auf der gegenüberliegenden Seite setzte sein Auto in Gang und zwängte sich in den verbliebenen Rest. Er war im Parkfeld und ich nur zur Hälfte. Ich hatte verloren. Beleidigt steuerte ich die Schnauze meines Autos wieder aus dem Parkfeld und fuhr weg. Ich musste mich mit einem Parkplatz weit weg vom Eingang zufrieden geben.

Im Laden dann, ging ich in die Bäckereiabteilung. In dem Moment sah ich eine Frau, die sich ebenfalls eine Brötchentüte aus der Brötchentütenablage nahm. Sie schaute sich die Auswahl an. Vielleicht lag es am Preis, vielleicht aber auch daran, dass sie nicht wusste ob ihr neuer Freund lieber Moon- oder Sesambrötchen hatte. Jedenfalls stopfte sie nach einigen Sekunden die Brötchentüte sorgfältig wieder in die Brötchentütenablage. Die Frau ging einige Schritte weiter.
Ganz sicher wird sie jetzt das vor ihr im Regal stehende Weissbrot nehmen, dachte ich.
Aber ihr Freund würde das Weissbrot nicht mögen und sie fragen, ob es denn so schwierig sei, sich zu merken, dass er nur Sesambrot esse. Sie würde sich beleidigt fühlen, die Tür hinter sich zu knallen und sich vielleicht nie wieder mit ihm versöhnen.
Da nahm die Frau das Handy aus der Handtasche und sagte: „Hi, Schatz. Moon- oder Sesambrötchen?“

Als ich mein Brot in den Einkaufswagen legte und langsam zu dem Regal mit den vielen Schokoladen gelangte, sah ich eine, langhaarige Frau.
Sie hatte eine schwarze Schokolade aus Ecuador mit 72% Kakao in den Händen. Dann drehte sie die Schokolade um, damit sie die Kalorienwerte anschauen konnte. Ich griff mir eine Tafel und ging weiter. Als ich sie jedoch in den Einkaufswagen legen wollte, merkte ich, dass ich mich vergriffen hatte, also ging ich zurück zu dem Regal. Die langhaarige Frau stand immer noch da und hatte immer noch die gleiche schwarze Schokolade aus Ecuador mit 72% Kakao in den Händen. Würde sie die Schokolade nehmen, oder war ihr die Figur zu wichtig? Sie schaute angespannt umher, ich konnte gerade noch meinen Blick von ihr abwenden. Im nächsten Moment sah ich die Schokolade in ihrem Einkaufskorb liegen. Ihr innerer Schweinehund hatte gewonnen!

Ich kaufte noch einige weitere Sachen ein, bis ich dann zur Kasse kam. Dort sah ich ihn, den kleinen dicken Mann. Er stand neben einer Warteschlange und schaute sich ein Filmplakat an: „Todeskuss im Morgengrauen“. In dem Moment als er sich von dem Plakat abwendete und sich in die Warteschlange einreihen wollte, rollte ich schnell meinen Einkaufswagen in die Lücke. Er schaute mich erzürnt an. Hah! Ich hatte gewonnen.


Montag, 27. September 2010

Der Faden

Letzten Sonntag fand ich an meiner Socke einen kurzen, weissen Faden. Mich packte die Gier, daran zu ziehen. Nach einigen Sekunden musste ich nachgeben und ich zog an dem kurzen, weissen Faden. Der Faden wurde immer länger. Doch nach einiger Zeit merkte ich, dass die Socke an der Stelle immer kleiner wurde. Ich stutze, wie war das möglich? Trotzdem zog ich weiter und der Faden war schon richtig lang, sodass am Boden ein kleines Fadenhäufchen entstand. Der Socken jedoch schrumpfte weiter und weiter, unaufhörlich, langsam, aber stetig. In dem Socken entstand ein immer grösser werdendes Loch, das sich langsam weiter ausbreitete, sodass man immer mehr Haut von meinem Fuss sehen konnte. Und das Häufchen auf dem Boden wurde immer grösser. Nach einiger Zeit war nur noch ein kleines Stück von meinem Socken da, doch ich zog weiter. Bis...gar nichts mehr da war, nur ein Häufchen von einem weissen Faden, dann wurde mir kalt.