Montag, 29. November 2010

Gestern

Gestern war der 28. November 2010.
Gestern bin ich um zwei Uhr Nachmittags vor dem Fernseher gesessen, habe einen Melonengeschmackkaugummi gekaut und Urs Leuthards Stimme zugehört. Mir ist aufgefallen, dass er überdurchschnittlich breite Wangenknochen hat. Er sprach mit einem Politkenner, der einen runden Kopf, eine runde Brille und, was am meisten augenscheinig war, eine farbige Fliege trug. Das machte ihn irgendwie seriös, obwohl farbige Fliegen normalerweise nicht bekannt dafür sind, einen Menschen seriös erscheinen zu lassen.
Urs Leuthard, der Moderator, versucht die Sendung in die Breite zu ziehen, so wie es seine Wangenknochen sind, weil die Resultate noch nicht bekannt waren.

Es bestand eine gewisse gesundheitliche Gefahr, einen Melonenkaugummi im Mund zu haben, während gerade die Wahlergebnisse der Ausschaffungsinitiative bekannt gegeben werden. Trotzdem habe ich es getan, den dies war in dem Moment gerade meine geringste Sorge.
Die schweizer Stimmberechtigten haben ja gesagt zur SVP-Ausschaffungsinitiative.
Es ist eine Leichtigkeit, diesen Satz zu schreiben, aber eine Schwierigkeit, ihn zu begreiffen.

"jugoslavä uisä midnä dänä huärä " 

Ich zitiere einen Klassenkolleg von mir, und es ist nicht ironisch gemeint, und auch nicht provokativ, es ist wahrlich seine Meinung.

In meinem Heimatkanton Obwalden stimmten fast 80%  für die Initiative. Es schaudert mich, dass 8 von 10 Erwachsenen, die mir in meinem Alltag begegnen, für ein ungleiches Recht stimmten und ich erfahre, dass es bei meinen Klassenkollegen und Klassenkolleginnen eine grössere Prozentzahl wäre. In unserer 16-köpfigen Klasse bin ich die einzige, die gegen die Initiative gestimmt hätte, alle anderen waren dafür. Ich dachte immer, ein solch Gedankengut kann doch ein Jugendlicher noch nicht haben. Ein Jugendlicher muss doch den Willen und Streben nach Freiheit, Liberalität und Gleichgerechtigkeit haben. Aber es ist das Elterhaus, das bestimmt, wohin die Meinung gehen soll.

Heute (Montag) ist mir etwas passiert, was zu diesem Thema passt;


Wie jeden Montag hatten wir am heutigen Nachmittag eine Lektion Musik bei Herr Soundso (ich sage jetzt seinen Namen nicht). Er ist ein guter Lehrer und wir hatten noch nie so viel Spass beim Singen in den Musikstunden wie bei ihm, er ist ausserdem ein guter Motivator und sogar die Jungs in unserer Klasse singen bei ihm gerne (glaube ich). 
Heute, bei Lektionsbeginn, sagte er, dass er froh sei, dass jetzt endlich einmal das Volk seine Meinung äussern konnte und er hoffe ja sehr, dass die neue Regelung auch richitg und strikte vollzogenwerde. Er habe nämlich so gestimmt, wie es am Ende auch herausgekommen sei. In der paralell Klasse seien auch alle Schüler von der SVP-Ausschaffungsinitiative überzogen gewesen. Er grinste. 

Mir platzte, obwohl ich keinen anhatte, der Kragen. Ich war traurig. Den ich hatte ein solch gutes Bild von ihm, und das sollte durch seine politische Einstellung ja nicht einfach so kaputt gehen. Doch ich glaube, sein Name wird für mich ewig ein bitterer Nachgeschmack haben. Ich hatte ja versucht seine Aussage zu vergessen, doch sie wird ewig an seinen spröden Haaren haften bleiben. 


Im Grossen und Ganzen ist zu all dem Geschehenen nur etwas zu sagen;

Ich fühle grossen Scham, wenn ich sage, dass ich Schweizerin bin.

Montag, 1. November 2010

Ein wahrhaftig unechter Traum, oder?

Ein Mensch auf einem Bike. Bin ich es? Er tretet und tretet, möchte vorwärts, hat denn Willen weiter zu gehen. Und tretet. Doch dann, merkt er es. Es geht nicht vorwärts, es geht rückwärts. Obwohl er tretet und er tretet noch mehr und er geht noch mehr rückwärts, rollt den Berg hinab, je mehr er sich anstrengt, je schneller. Und er kann nichts tun. Und rollt und rollt. Verzweiflung.

Das Wort

Es war einmal ein Wort,
das ging von Ort zu Ort,
immer wieder fort,
ging das kleine, feine Wort.

Besuchte jedes Haus,
ging ein und wieder raus,
machte Haarfrisuren kraus,
sogar die der ängstlichen Maus.

Man fürchtete sich so sehr,
denn es gab keine Umkehr.

Böse List, die dahinter steckt,
meist sehr zartbitter schmeckt.

Wie er es dann tut,
hängt ab von seinem Mut
und von seiner Wut.
Doch niemals endet es dann gut.

Beliebt bei Frauen,
mysteriös, mit grossem Grauen,
ist das hinterhältige vergiften,
musst nur Flaschen falsch beschriften.

Und wenn dann der arme Mann,
an den Kühlschrank geht ran,
und ein gekühltes Bier sehen kann,
ist es schnell vorbei,
ohne sehr grosses Geschrei.

Der Mann dagegen,
tut nicht lange abwägen.
Erschoss schnell kurzerhand,
und ne andre Geschichte erfand.

Aber allem gemeinsam,
von dem ganzen Kram,
das dies sehr böse ist,
niemand dies vergisst.

Denn das klitzekleine Wort,
bedeutet nichts andres als Mord.